Ich bitte euch alle: Benutzt nicht so unbedacht die Wörter Liebe und Hass. Beides sind so ausdrucksstarke Wörter, aber nicht alles, oder sogar das meiste, ist es nicht Wert, damit bezeichnet zu werden. Ich merke es an mir selbst: Wie oft sage ich: “Ich liiieeeebe Schwarzwälder Kirschtorte!” oder “Ich hasse Montage!”. Aber mit beidem mache ich es mir viel zu einfach.

Die Sprache ist etwas wundervolles und wir sollten ihre Nuancen in Ehren halten. Alles andere wirkt unglaubwürdig. Also ich tät die Schwarzwälder bestimmt nicht heiraten und werde auch keinen persönlichen Rachefeldzug gegen Montage führen.

Wenn ganz links der Hass ist und ganz rechts die Liebe, dann hat es dazwischen unendlich, überabzählbar viele Abstufungen, wir müssen uns nur angewöhnen, sie wieder zu verwenden.

Und zwischen jedem Strich können beliebig viele weitere Einteilungen gemacht werden, jeder wie er es mag.

Wir sind so an Superlativen jeglicher Art gewöhnt, dass sich ein “Ich kann Montage überhaupt nicht leiden!” einfach nach nichts anhört, nach einer schwachen Aussage. Aber nach dem Superlativ, dem Hass, was sollte da noch kommen, für den Fall, dass man etwas wirklich noch weniger als Montage mag (was vorkommen soll!)?  Hyperlativ? Genau das bürgert sich ja gerade ein: Boah, Gurken hass’ ich echt mega ultra!

Soetwas beginnt mich zusehends zu stören, auch an mir. Aber wenigstens fällt es mir inzwischen auf, wenn ich so daneben gelangt habe. Benutzen wir solche Wörter doch dann, wenn es sich wirklich lohnt, dadurch wird ihre Bedeutung wieder größer. Es muss etwas besonderes sein, wenn man etwas oder jemanden liebt. Es sollte die Ausnahme sein zu hassen. Wer die Wörter ständig verwendet, weiß sich im Zweifelsfall dann überhaupt nicht mehr zu helfen, was er jemandem sagen sollte, wenn er ihn wirklich liebt.

Also merken:
In einer 1 dimensionalen Emotionsskala gilt für die konträren Emotionen Hass und Liebe:

\displaystyle \lim_{n \to -\infty} n=Hass ~;~ n\hat{=} Emotion

und

\displaystyle \lim_{n \to \infty} n=Liebe ~;~ n\hat{=} Emotion